In seiner wechselvollen Geschichte war das Gelände nördlich der Donau ab 1912 Schauplatz spektakulärer internationaler Flugmeetings, Stützpunkt der k. u. k. Flugstreitkräfte sowie einer der ersten Linienflughäfen.

 

 

Offiziell eröffnet wurde der Flughafen Wien-Aspern am 23. Juni 1912 mit der ersten internationalen Flugwoche, bei der 50.000 ZuschauerInnen gleich drei Höhenweltrekorde (4.360 Meter ohne Passagier) und einen Steiggeschwindigkeitsweltrekord (1.000 Meter in 6 Minuten 15 Sekunden) der 44 Teilnehmer aus ganz Europa mitverfolgen konnten. Weitere Flugtage und -meetings folgten, womit Aspern zu einem der bedeutendsten internationalen Flugplätze avancierte. Dabei dominierten die österreichischen Flieger zumeist bei den Höhen- und Distanzflügen, während die Franzosen vor allem Rekorde bei Geschwindigkeit und Steigleistung aufstellen konnten.

 

Bei den internationalen Flugtagen im Juni 1913 war auch der sichtlich beeindruckte Kaiser Franz Joseph zu Gast, der die atemberaubenden Flugkünste der Piloten mittels Fernglas verfolgte.

 

 

Ein besonderes Erlebnis für alle WienerInnen war die erste Landung eines Luftschiffes in Wien: Am 9. Juni 1913 schwebte Graf Zeppelin höchstpersönlich mit seinem Luftschiff „Sachsen“ über die ganze Stadt, bevor er in Aspern „vor Anker“ ging. Das Fundament dieser Anlegestelle ist bis heute erhalten und erinnert an die Sensation, die tausende Schaulustige anlockte.

 

 

 

Das dritte Flugmeeting im Juni 1914 wurde von Fachzeitschriften das „Weltderby der Lüfte“ genannt – die berühmtesten und besten Piloten der Welt trafen sich in Wien, das damals als Mekka des Flugsports galt, und präsentierten ihre waghalsigen Kunststücke und Rekordversuche. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs fand die erste große Glanzzeit jedoch ein jähes Ende. Aspern wurde Stützpunkt mehrerer Fliegerkompanien, Ausbildungszentrum für Piloten, und die Kampfflugzeuge der Esslinger Flugzeugfabrik Aviatik wurden hier eingeflogen. Berühmt-berüchtigt war damals der Aviatik-Chefpilot Fritz Wirbel, der allein nicht weniger als 300 Maschinen einflog und damit sein außergewöhnliches Talent als Flieger bewies, war doch das Einfliegen von Flugzeugen damals noch extrem gefährlich und kostete zwei bis drei Piloten im Monat das Leben.

Nach dem Krieg konnte sich Aspern schließlich wieder als internationaler Flughafen etablieren und bot sowohl regelmäßige Linienflüge als auch wieder die beliebten Flugschauen an.

 

 

 

 

Eine Sensation war die neuerliche Landung eines Luftschiffes – diesmal des „Graf Zeppelin“ – im Juli 1931, die auch Prominenz aus Politik und Wirtschaft anzog. Der Konstrukteur und Kapitän Hugo Eckener wurde auf einer Ehrentribüne von Bundeskanzler Karl Buresch empfangen und von 200.000 Schaulustigen bejubelt. Die friedliche Ära sollte jedoch abermals ein kurzes Intermezzo bleiben. Als am 12. März 1938 Verbände der deutschen Luftwaffe in Aspern landeten, endete der zivile Flugbetrieb erneut. Der Flugplatz wurde zum Leithorst der Luftwaffe mit Hangars, Bunkern und Flakstellungen ausgebaut und erhielt drei betonierte Pisten, die bis heute zu sehen sind. Beim Kampf um Wien zählte Aspern 1945 mit seinem Flugplatz und der nahegelegenen Raffinerie in der Lobau zu einem der wichtigsten Ziele der Luftangriffe durch die Alliierten – wie durch ein Wunder blieb der Ortskern von Aspern dabei nahezu unbeschädigt.

 

 

Als das Ende des Krieges abzusehen war, wurde der Flughafen für die Bevölkerung zur Plünderung freigegeben, bevor er gesprengt wurde, um den Alliierten nicht in die Hände zu fallen. Trotzdem wurde Aspern auch nach dem Krieg zunächst weiterhin militärisch genutzt – nun von den Sowjets, die ihn zu einem ihrer MIG-Stützpunkte machten. Erst mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags im Mai 1955 erhielt Österreich seine Lufthoheit zurück, und Aspern wurde als Privatflugplatz vom Österreichischen Aero-Club übernommen, der alle Arten von Flugsportmöglichkeiten, Fallschirmabsprünge sowie Pilotenausbildung anbot.

 

 

 

 

Ab 1956 fanden auch regelmäßig Autorennen auf den Pisten statt. Das brachte neben Lokalmatadoren wie Dieter Quester und Niki Lauda auch internationale Größen von Stirling Moss über Jack Brabham bis zu Jochen Rindt nach Aspern. Der Bau der zweiten Piste am Flughafen Wien-Schwechat bedeutete 1977 das endgültige Ende für den Flughafen Aspern, da sein Flugverkehr zu nah an der Einflugschneise der neuen Piste gewesen wäre. Die Fliegerclubs übersiedelten nach Wiener Neustadt und Bad Vöslau, auf dem Areal des Flugplatzes entstanden ein Übungscenter des ARBÖ, 2001 auch der Stützpunkt des ÖAMTC-Rettungshubschraubers „Christophorus 9“ und im Süden zu Beginn der 1980er-Jahre das General-Motors-Betriebsgelände. Anlässlich des 20. Jahrestags der Schließung des Flugplatzes wurde 1997 ein Jubiläumsflugtag organisiert, an dem zum endgültig letzten Mal Flugbetrieb in Aspern herrschte.

 

Literaturtipp:

Reinhard Keimel: „Der Flughafen Wien-Aspern“.
Sutton Verlag, 128 Seiten, mehr als 200 Abb., € 18,90